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Ktima Gerovassiliou gehört zu den prägenden Weingütern des modernen griechischen Weinbaus. In Epanomi entstehen Weine, die autochthone und internationale Rebsorten mit klarer Herkunft und differenzierter Kellerarbeit verbinden. Besondere Bedeutung besitzt die Arbeit mit Malagousia, deren Wiederbelebung eng mit Vangelis Gerovassiliou verbunden ist.
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Ktima Gerovassiliou: Herkunft, Rebsorten und Weinbau in Epanomi
Ktima Gerovassiliou gehört zu den prägenden Weingütern des modernen griechischen Weinbaus. Seit den frühen 1980er-Jahren entsteht in Epanomi ein eigenständiges Sortiment aus griechischen und internationalen Rebsorten. Besondere Bedeutung besitzt die Arbeit mit Malagousia, deren Wiederbelebung eng mit Vangelis Gerovassiliou verbunden ist.
Epanomi: Weinbau zwischen Festland und Thermaischem Golf
Das Weingut liegt rund 25 Kilometer südöstlich von Thessaloniki. Der zusammenhängende, etwa 110 Hektar große Weinberg wird auf drei Seiten vom Meer umgeben, das sich in ungefähr vier Kilometern Entfernung befindet.
Das Klima ist mediterran geprägt, mit milden Wintern und warmen Sommern. Luftbewegungen vom Thermaischen Golf können die hohen Temperaturen während der Vegetationsperiode abmildern. Die Wirkung des Meeres ist dabei nur einer von mehreren Faktoren: Ausrichtung, Rebsorte, Ertrag, Lesezeitpunkt und Bewirtschaftung bestimmen ebenfalls, wie Frucht und Säure der Trauben erhalten bleiben.
Die Böden bestehen überwiegend aus Sand, ergänzt durch tonhaltige Schichten und kalkhaltiges Gestein. Fossile Meeresablagerungen verweisen auf die geologische Entstehung der umliegenden Hügellandschaft. Innerhalb des Weinbergs werden griechische und internationale Sorten kultiviert, deren Eignung für die jeweiligen Standorte fortlaufend untersucht wird.
Vangelis Gerovassiliou: Ausbildung und Aufbau des Weinguts
Vangelis Gerovassiliou studierte Landwirtschaft an der Aristoteles-Universität Thessaloniki und spezialisierte sich anschließend an der Universität Bordeaux auf Önologie, Weinbau und Kellertechnik. Während dieser Zeit arbeitete er im Umfeld des Önologen und Hochschullehrers Émile Peynaud und war an Verkostungen in französischen Châteaux beteiligt.
Von 1976 bis Anfang 1999 war Gerovassiliou als Önologe bei Domaine Porto Carras tätig. Dort beschäftigte er sich intensiv mit Malagousia, einer damals nur noch in geringen Beständen vorhandenen griechischen Rebsorte. Er vinifizierte und vermehrte die Sorte und trug damit wesentlich zu ihrer erneuten Verbreitung im griechischen Weinbau bei.
1981 begann er mit der Wiederherstellung des rund 2,5 Hektar großen Familienweinbergs in Epanomi. Die erste Vinifikation im neu errichteten Weingut erfolgte 1986. Aus dem ursprünglichen Weinberg entwickelte sich schrittweise das heutige Ktima Gerovassiliou.
Malagousia: Die prägende Rebsorte des Weinguts
Malagousia nimmt innerhalb des Sortiments eine besondere Stellung ein. Die Rebsorte besitzt eine ausgeprägte Aromatik, die je nach Jahrgang und Vinifikation an Birne, Pfirsich, Zitrusfrüchte, Blüten, Kräuter und exotische Früchte erinnern kann.
Bei der sortenreinen Malagousia des Weinguts folgt auf eine kurze kalte Mazeration die Gärung im Edelstahltank; ein Teil des Mostes wird in französischen Eichenfässern vinifiziert. Das anschließende Feinhefelager erweitert die Textur und verbindet die aromatische Frucht mit einer festeren Struktur.
Die Qualität der Sorte beruht nicht allein auf ihrer Duftintensität. Lesezeitpunkt, Säure, Extraktion und Ausbau müssen so aufeinander abgestimmt werden, dass die Frucht klar bleibt und der Wein am Gaumen nicht breit oder alkoholbetont wirkt.
Die internationale Wahrnehmung der Sorte wurde durch konkrete Wettbewerbsergebnisse zusätzlich gestärkt. Die Malagousia 2024 von Ktima Gerovassiliou erhielt bei den Decanter World Wine Awards 2025 die Auszeichnung „Best in Show“.
Griechische und internationale Rebsorten
Im Weinberg werden mehrere autochthone griechische Sorten kultiviert:
- Malagousia
- Assyrtiko
- Limnio
- Mavroudi
- Mavrotragano
- Xinomavro
Ergänzt werden sie durch internationale Rebsorten:
- Chardonnay
- Sauvignon Blanc
- Viognier
- Syrah
- Merlot
Die Verwendung internationaler Sorten steht nicht im Widerspruch zur Herkunftsorientierung des Weinguts. Sie werden reinsortig oder in Cuvées ausgebaut und entsprechend ihrer Eignung für Standort, Jahrgang und gewünschten Weinstil eingesetzt.
Ein Teil des Sortiments konzentriert sich auf einzelne Rebsorten. Andere Weine verbinden griechische und internationale Sorten oder stellen mehrere autochthone Varietäten gegenüber. Dadurch entsteht keine einheitliche Stilistik, sondern ein Spektrum unterschiedlicher Weiß- und Rotweine aus demselben Herkunftsgebiet.
Avaton: Drei autochthone rote Rebsorten
Avaton ist eine Cuvée aus Limnio, Mavroudi und Mavrotragano. Limnio bildet den überwiegenden Anteil und gehört zu den ältesten schriftlich belegten griechischen Rebsorten. Nach der alkoholischen und malolaktischen Gärung im Edelstahltank reift der Wein in großen Eichenholzbehältern.
Die drei Rebsorten übernehmen unterschiedliche Aufgaben innerhalb der Cuvée. Limnio bringt Würze, Frucht und Gerbstoff ein, während Mavroudi und Mavrotragano Farbe, dunklere Frucht und zusätzliche Struktur ergänzen können. Der Ausbau in großen Holzgebinden unterstützt die Reife, ohne den Wein so deutlich zu prägen wie kleinere neue Barriques.
Avaton zeigt, wie historische griechische Rebsorten in einer zeitgemäßen Vinifikation zusammengeführt werden können. Seine Qualität ergibt sich dabei nicht aus dem Alter der Sorten, sondern aus der Balance von Reife, Extraktion, Tannin und Ausbau.
Die Museum Collection
Die Museum Collection umfasst jeweils eine weiße und eine rote Cuvée aus mehreren auf dem Gut kultivierten Rebsorten. Sie wird nach umfangreichen Fass- und Verkostungsversuchen zusammengestellt und ist auf längere Entwicklung ausgelegt.
Die weiße Museum Collection verbindet Malagousia, Assyrtiko, Chardonnay, Sauvignon Blanc und Viognier. Der Ausbau im Holz führt zu einer körperreichen Stilistik mit reifer Frucht, nussigen Nuancen und ausgeprägter Textur.
Die rote Museum Collection besteht aus Limnio, Mavroudi, Mavrotragano, Syrah und Merlot. Dunkle Frucht, Gewürze, Rauch und ein längerer Fassausbau bestimmen ihre Struktur. Die Verbindung autochthoner und internationaler Sorten zeigt, dass das Weingut Herkunft nicht ausschließlich über Sortenreinheit definiert.
Beide Weine unterscheiden sich deutlich von den früher zugänglichen Abfüllungen des Sortiments. Sie benötigen Zeit im Glas und können abhängig von Jahrgang und Lagerung über mehrere Jahre an aromatischer Entwicklung gewinnen.
Präzision im Weinberg und Keller
Der Weinberg wird nach den Vorgaben eines zertifizierten integrierten Bewirtschaftungssystems bearbeitet. Weinbergsarbeiten einschließlich der Lese erfolgen nach Angaben des Weinguts von Hand.
Im Keller richtet sich der Ausbau nach Rebsorte und gewünschter Stilistik. Edelstahl bewahrt vor allem Frucht und Frische, während Holzfässer und größere Eichenbehälter für Gärung, Texturentwicklung oder längere Reife eingesetzt werden. Feinhefelager, Maischekontakt und Fassgröße werden nicht einheitlich auf das gesamte Sortiment übertragen, sondern abhängig vom jeweiligen Wein gewählt.
Die Weine von Ktima Gerovassiliou lassen sich deshalb nicht auf einen einzelnen Stil reduzieren. Malagousia steht für aromatische Weißweine mit unterschiedlicher Textur, Assyrtiko für festere Säurestrukturen, während Limnio, Mavroudi und Mavrotragano verschiedene Ausprägungen griechischer Rotweine ermöglichen. Internationale Sorten erweitern das Portfolio, ohne die Bedeutung der einheimischen Rebsorten zu verdrängen.
Ktima Gerovassiliou verbindet damit die Wiederbelebung einer fast verschwundenen Rebsorte, einen klar abgegrenzten Weinberg und eine differenzierte Kellerarbeit. Die Bedeutung des Weinguts beruht nicht auf einer pauschalen Vorstellung von „Weltklasse“, sondern auf seiner nachweisbaren Rolle bei der Entwicklung der Malagousia und auf einem Sortiment, das die unterschiedlichen Rebsorten und Ausbauformen Epanomis nachvollziehbar darstellt.