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Tannin prägt die Struktur vieler griechischer Rotweine und entscheidet darüber, wie fest, griffig oder geschmeidig sie am Gaumen wirken. Die Gerbstoffe stammen vor allem aus Schalen und Kernen und werden während der Maischegärung gelöst. Xinomavro, Mavrotragano, Limnio und Agiorgitiko zeigen, wie unterschiedlich Rebsorte, Traubenreife und Ausbau diesen Eindruck formen.
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Tanninreiche griechische Rotweine: Gerbstoff, Struktur und Reifung
Tannin gibt Rotwein Struktur, Griff und die Fähigkeit, sich über Jahre auf der Flasche zu entwickeln. Die natürlichen Gerbstoffe stammen vor allem aus den Beerenschalen und Kernen und werden während der Maischegärung gelöst. Xinomavro, Mavrotragano, Limnio und Agiorgitiko zeigen, wie unterschiedlich Tannin im griechischen Rotwein wirken kann – von fest und fordernd bis feinkörnig und geschmeidig.
Was Tannin im Wein bedeutet
Tannine sind natürliche Gerbstoffe, die in den Schalen, Kernen und teilweise auch in den Stielen der Trauben vorkommen. Bei Rotwein vergärt der Most gemeinsam mit den festen Bestandteilen der Beeren. Während dieses Kontakts werden Farbe, Aromen und Gerbstoffe aus der Traube gelöst.
Wie tanninreich ein Wein ausfällt, hängt nicht allein von der Rebsorte ab. Auch Beerengröße, Schalenstruktur, Traubenreife, Dauer der Maischestandzeit, Temperatur und Intensität der Extraktion spielen eine Rolle. Holzfässer können zusätzliche Gerbstoffe einbringen, besonders wenn neues Eichenholz verwendet wird.
Am Gaumen zeigt sich Tannin als trockenes, griffiges oder leicht zusammenziehendes Gefühl. Unreife oder zu stark extrahierte Gerbstoffe können hart und bitter wirken. Bei vollständig ausgereiften Trauben und einer kontrollierten Vinifikation erscheinen sie dagegen feiner und besser in die Frucht eingebunden.
Während der Flaschenreife verändern sich die Tannine. Sie verbinden sich zu größeren Strukturen und werden dadurch meist geschmeidiger wahrgenommen. Ein junger, straffer Rotwein kann sich so über mehrere Jahre zu einem harmonischeren und komplexeren Wein entwickeln.
Xinomavro: Ausgeprägtes Tannin und lange Entwicklung
Xinomavro gehört zu den strukturreichsten roten Rebsorten Griechenlands. Besonders in Naoussa und Amyndeon entstehen Weine mit lebendiger Säure, deutlich wahrnehmbarem Gerbstoff und großem Entwicklungspotenzial.
Sauerkirsche, rote Johannisbeere und getrocknete Pflaume prägen häufig die Frucht. Hinzu kommen Tomate, schwarze Olive, getrocknete Kräuter und erdige Gewürze. Mit zunehmender Flaschenreife können sich Tabak, Leder, Pilze und getrocknete Blätter entwickeln.
Das Tannin wirkt in jungen Xinomavro-Weinen häufig fest und trocken. Es bildet gemeinsam mit der Säure das strukturelle Gerüst des Weins. Deshalb profitieren konzentrierte Ausführungen oft von Luft, einer angemessenen Trinktemperatur und mehreren Jahren Flaschenreife.
Naoussa bringt vielfach kräftigere und tanninbetontere Weine hervor. In Amyndeon können die höheren und kühleren Lagen eine stärker von roter Frucht, floralen Nuancen und feinerem Gerbstoff geprägte Stilistik begünstigen.
Mavrotragano: Dichte Frucht und kompakter Gerbstoff
Mavrotragano ist eine seltene rote Rebsorte der Kykladen und besonders eng mit Santorini verbunden. Ihre Weine zeigen häufig eine konzentrierte Frucht, markante Würze und ein festes Gerbstoffgerüst.
Schwarze Kirsche, Brombeere und dunkle Waldfrüchte verbinden sich mit Veilchen, schwarzem Pfeffer, Tabak und getrockneten Kräutern. Rauchige, erdige oder graphitartig wirkende Nuancen können das Profil ergänzen.
Das Tannin des Mavrotragano besitzt häufig eine kompakte, griffige Art. Eine sorgfältige Traubenreife ist daher besonders wichtig. Werden unreife Beeren zu kräftig extrahiert, können herbe und bittere Eindrücke entstehen.
Auch der Ausbau verlangt Zurückhaltung. Zu viel neues Holz kann die Frucht und die sortentypische Kräuterwürze überdecken. Präzise erzeugte Mavrotragano-Weine verbinden Gerbstoff, Säure und dunkle Frucht zu einem dichten, klar gegliederten Rotwein.
Limnio: Feiner Gerbstoff und herbe Kräuterwürze
Limnio gehört zu den traditionsreichen roten Rebsorten der nördlichen Ägäis und wird heute auch auf dem griechischen Festland kultiviert. Die Sorte besitzt meist weniger massives Tannin als Xinomavro oder Mavrotragano, kann jedoch deutlich strukturiert und griffig ausfallen.
Rote Kirsche, Pflaume und dunkle Beeren werden häufig von Lorbeer, schwarzem Pfeffer, getrockneten Kräutern und erdigen Nuancen begleitet. Die Gerbstoffe wirken vielfach feinkörniger und früher zugänglich.
Limnio wird sowohl reinsortig als auch in Cuvées ausgebaut. In einer Assemblage kann die Sorte Frucht, Kräuterwürze und zusätzliche Struktur einbringen. Ein maßvoller Holzausbau ergänzt das Profil mit Tabak, Zedernholz oder milden Röstnoten.
Die Stärke des Limnio liegt weniger in maximaler Konzentration als in der Verbindung aus würziger Aromatik, trockenem Gerbstoff und ausgewogenen Proportionen.
Agiorgitiko: Reifes Tannin und dunkle Frucht
Agiorgitiko ist eng mit Nemea auf dem Peloponnes verbunden. Die Rebsorte kann leichte, fruchtbetonte Weine ebenso hervorbringen wie konzentrierte Rotweine mit ausgeprägter Gerbstoffstruktur und längerer Fassreife.
Kirsche, Pflaume, Brombeere und schwarze Johannisbeere prägen häufig die Frucht. Zimt, Nelke, Süßholz und getrocknete Kräuter ergänzen das Profil. Durch den Holzausbau können Kakao, Tabak, Vanille und geröstete Gewürze hinzukommen.
Besonders in höher gelegenen Weinbergen reifen die Trauben langsamer. Dadurch können Frucht, Säure und Gerbstoff ausgewogener zusammenfinden. Bei begrenzten Erträgen und sorgfältiger Vinifikation entstehen Agiorgitiko-Weine mit reifem, tragfähigem Tannin und guter Flaschenentwicklung.
Im Vergleich zu Xinomavro wirkt der Gerbstoff häufig runder und geschmeidiger. Das bedeutet jedoch nicht, dass Agiorgitiko grundsätzlich weich oder leicht ist. Strukturierte Ausführungen aus Nemea können dicht, würzig und deutlich tanninbetont ausfallen.