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Nemea gehört zu den wichtigsten Rotweinherkünften des nordöstlichen Peloponnes und ist eng mit Agiorgitiko verbunden. Unterschiedliche Höhenlagen, Böden und klimatische Bedingungen ermöglichen eine große stilistische Bandbreite. Die Weine reichen von fruchtbetonten, früh zugänglichen Ausführungen bis zu strukturierten Rotweinen mit ausgeprägtem Reifepotenzial.
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Nemea und Agiorgitiko: Herkunft, Höhenlagen und Stilistik
Nemea gehört zu den wichtigsten Rotweinregionen Griechenlands und ist untrennbar mit Agiorgitiko verbunden. Die geschützte Herkunft erstreckt sich über 17 Dörfer auf dem nordöstlichen Peloponnes und umfasst Weinberge zwischen etwa 200 und 850 Metern Höhe. Diese topografische Vielfalt ermöglicht sehr unterschiedliche Interpretationen derselben Rebsorte.
PDO Nemea: Geschützte Herkunft seit 1971
Die Weinbauzone Nemea wurde 1971 als geschützte Herkunft anerkannt. Sie ist die größte griechische PDO-Zone für Rotwein und erstreckt sich über Teile der Regionalbezirke Korinthia und Argolida.
Die Bezeichnung PDO Nemea ist ausschließlich roten Weinen aus 100 Prozent Agiorgitiko vorbehalten. Neben trockenen Rotweinen erlaubt die Produktspezifikation auch halbsüße und süße Ausführungen, die auf dem Markt allerdings eine deutlich geringere Rolle spielen.
Agiorgitiko wird traditionell eng mit Nemea verbunden und gelegentlich als „Blut des Herkules“ bezeichnet. Diese historische Bezeichnung bezieht sich auf die regionale Mythologie und die tiefe Farbe vieler Weine, ist jedoch keine offizielle Qualitätskategorie.
Höhenlagen und unterschiedliche Reifeverläufe
Die Appellation wird inoffiziell in drei Höhenzonen unterteilt. Diese Einteilung hilft, die unterschiedlichen Reifebedingungen zu verstehen, stellt jedoch keine verbindliche Qualitätsrangfolge dar.
Tiefere Lagen zwischen etwa 230 und 450 Metern
Die tieferen Bereiche besitzen meist wärmere Bedingungen und einen früheren Reifeverlauf. Agiorgitiko kann hier fruchtbetonte Weine mit reifen Kirschen, Pflaumen, moderater Säure und geschmeidigem Tannin hervorbringen.
Auch konzentrierte oder süße Weine sind möglich. Entscheidend bleiben Ertrag, Lesezeitpunkt und Vinifikation; eine niedrige Höhenlage führt nicht zwangsläufig zu einfachen oder kurzlebigen Weinen.
Mittlere Lagen zwischen etwa 450 und 650 Metern
In den hügeligen und halbhohen Bereichen verläuft die Reife häufig langsamer. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht können den Erhalt der natürlichen Säure unterstützen und eine längere aromatische Entwicklung ermöglichen.
Viele strukturierte PDO-Nemea-Weine stammen aus diesen Bereichen. Dennoch sollte die mittlere Höhenzone nicht pauschal als qualitativ beste Lage bezeichnet werden. Ausrichtung, Boden, Wasserversorgung und Jahrgang besitzen ebenso großen Einfluss.
Höhere Lagen bis etwa 850 Meter
In den höchsten Bereichen der Appellation reifen die Trauben später. Agiorgitiko kann dort eine ausgeprägtere Säure, eine klarere Frucht und eine festere Struktur entwickeln.
Die kühleren Bedingungen können besonders in warmen Jahrgängen von Vorteil sein. Bei ungünstiger Witterung besteht jedoch auch das Risiko, dass die Trauben ihre vollständige Reife später oder nur ungleichmäßig erreichen. Die Höhenlage allein garantiert daher weder Qualität noch Reifepotenzial.
Agiorgitiko: Eine Rebsorte mit großer stilistischer Bandbreite
Agiorgitiko gehört zu den vielseitigsten roten Rebsorten Griechenlands. Innerhalb Nemeas entstehen sowohl fruchtbetonte, früh zugängliche Rotweine als auch strukturierte Abfüllungen mit längerem Fassausbau und mehrjährigem Entwicklungspotenzial.
Typische sensorische Eindrücke können sein:
- Kirsche, Sauerkirsche und Pflaume
- rote und dunkle Beeren
- Veilchen und getrocknete Kräuter
- Zimt, Nelke und weitere milde Gewürze
- Kakao, Tabak oder Vanille bei entsprechendem Holzausbau
Die Sorte besitzt häufig eine mittlere Säure und reife, vergleichsweise geschmeidige Gerbstoffe. Bei niedrigen Erträgen und geeigneter Herkunft können jedoch deutlich festere, konzentriertere und länger reifende Weine entstehen.
Der Holzausbau verändert das Profil erheblich. Französische Eiche kann Gewürz-, Röst- und Vanillenoten einbringen, sollte Frucht und Herkunft jedoch nicht überdecken. Ein intensiver Barriqueausbau ist kein eigenständiges Qualitätsmerkmal.
Agiorgitiko außerhalb der PDO Nemea
Nicht jeder Wein aus Agiorgitiko darf die Bezeichnung PDO Nemea tragen. Roséweine, Schaumweine und Cuvées mit anderen Rebsorten werden unter übergeordneten geografischen Angaben oder ohne geschützte Herkunft vermarktet.
In der PGI Korinthos wird Agiorgitiko unter anderem für Roséweine und für Cuvées mit Cabernet Sauvignon, Merlot oder Syrah verwendet. Diese Weine können aus derselben weiteren Region stammen, entsprechen aber nicht den Vorgaben der PDO Nemea.
Auch weiße Rebsorten wie Assyrtiko, Roditis oder Moschofilero werden in und um Nemea kultiviert. Sie gehören jedoch nicht zur Rebsortenzusammensetzung eines PDO-Nemea-Weines.
Prägende Erzeuger innerhalb unserer Auswahl
Domaine Skouras
Domaine Skouras gehört zu den Erzeugern, die Agiorgitiko in unterschiedlichen Stilistiken ausbauen. Das Sortiment reicht von reinsortigen PDO-Nemea-Weinen bis zu Cuvées mit internationalen Rebsorten.
Der „Saint George Nemea“ wird ausschließlich aus Agiorgitiko erzeugt und steht für eine fruchtbetonte, mittelkräftige Interpretation der Rebsorte. „Megas Oenos“ verbindet dagegen Agiorgitiko mit Cabernet Sauvignon und wird deshalb nicht als PDO Nemea, sondern unter einer anderen geografischen Angabe abgefüllt.
Diese beiden Weine zeigen, wie unterschiedlich Agiorgitiko innerhalb eines einzigen Erzeugerportfolios eingesetzt werden kann: einmal als reinsortiger Herkunftswein, einmal als Bestandteil einer strukturierten Cuvée.
Ktima Driopi – Tselepos Wines
Yiannis Tselepos gründete Ktima Driopi 2003 in Koutsi. Der rund neun Hektar große Weinberg liegt auf etwa 380 Metern Höhe und umfasst teilweise rund 50 Jahre alte Agiorgitiko-Reben. Die ton- und lehmgeprägten Böden besitzen kalkhaltige Anteile und liegen an gut drainierten Hängen.
Die „Ktima Driopi Reserve“ wird aus 100 Prozent Agiorgitiko erzeugt. Nach einer längeren Maischestandzeit reift der Wein zwölf Monate in französischen Eichenfässern und anschließend weitere sechs Monate auf der Flasche. Frucht, Tannin und Holzwürze sind auf eine mehrjährige Entwicklung ausgerichtet.
Reifepotenzial und Servierempfehlung
Das Reifepotenzial eines Nemea-Weines hängt von Herkunft, Jahrgang, Ertrag, Tanninstruktur und Ausbau ab. Fruchtbetonte Abfüllungen können bereits jung zugänglich sein, während Reserve- und Einzellagenweine häufig mehrere Jahre Flaschenreife vertragen.
Mit zunehmender Entwicklung können sich neben Kirsche und Pflaume Aromen von getrockneten Früchten, Tabak, Leder, Kräutern und milden Gewürzen zeigen. Eine pauschale Lagerdauer für sämtliche PDO-Nemea-Weine wäre dennoch nicht fachlich belastbar.
Leichtere Ausführungen können bei etwa 14 bis 16 °C serviert werden. Strukturierte und im Holz ausgebaute Weine zeigen sich meist bei 16 bis 18 °C ausgewogen. Junge, tanninbetonte Abfüllungen profitieren häufig von einer Belüftung in der Karaffe.
Speisenbegleitung
Agiorgitiko eignet sich aufgrund seiner reifen Frucht und häufig geschmeidigen Gerbstoffstruktur zu zahlreichen Gerichten der mediterranen Küche.
Geeignete Verbindungen sind:
- geschmortes oder gegrilltes Lamm
- Rindfleisch und Kalbfleisch
- Moussaka und Pastitsio
- Tomatenbasierte Schmorgerichte
- Auberginen und gegrilltes Gemüse
- Pilzgerichte
- gereifter Graviera oder andere Hartkäse
Fruchtbetontere Weine passen zu leichteren Fleisch- und Gemüsegerichten. Strukturierte Reserveweine benötigen Speisen mit größerer Intensität, Röstaromen oder einem höheren Fettanteil.