Schwere, dunkel gefärbte Trauben hängen an verzweigten Reben, umgeben von herbstlichen Blättern.

Sangiovese

Sangiovese ist eine Rebsorte, deren Profil weniger durch Primäraromatik als durch Struktur und Herkunft bestimmt wird. Ihre Aussagekraft entsteht nicht aus Opulenz, sondern aus dem Zusammenspiel von Säure, Tannin und Bodenprägung. Obwohl heute in zahlreichen italienischen Regionen angebaut, bleibt die Toskana der maßgebliche Referenzrahmen für eine differenzierte Betrachtung der Sorte.

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        Anbaugebiete und Terroir: Herkunft als strukturgebender Faktor


        Chianti Classico

        Das Gebiet zwischen Florenz und Siena ist geprägt von Galestro – einem schieferhaltigen, leicht zerfallenden Mergel mit guter Drainage und begrenzter Wasserhaltefähigkeit. Diese Böden begünstigen moderates Wachstum und fördern eine gleichmäßige phenolische Reife. Sangiovese aus dem Chianti Classico zeigt sich in der Regel mittelgewichtig, mit klar konturierter Säure, roter Frucht und einem linearen, auf Präzision ausgerichteten Mundgefühl. Struktur und Frische stehen im Vordergrund, nicht Volumen.

        Montalcino

        In Montalcino tritt Galestro zunehmend mit kalkhaltigem Alberese in Kombination auf. Die höheren Lagen sowie ausgeprägte Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht verlangsamen die Reifephase deutlich. Daraus resultieren Weine mit dichterem Tanningerüst, höherer Extraktkonzentration und ausgeprägtem Reifepotenzial. Die aromatische Entwicklung erfolgt langsamer, häufig erst nach mehreren Jahren Flaschenlagerung. Kurzfristige Zugänglichkeit ist hier kein Qualitätskriterium.

        Emilia-Romagna und Marken

        Außerhalb der Toskana steht Sangiovese häufiger auf schwereren, lehmgeprägten Böden. Die Weine fallen in der Regel fruchtbetonter und früher zugänglich aus, mit geringerer Säure- und Tanninspannung. Diese Stilistik ist weniger auf Tiefe und Entwicklung angelegt, sondern auf unmittelbare Trinkbarkeit und regionale Alltagskultur.

        Klimatische Anforderungen und Vegetationsverlauf

        Sangiovese treibt früh aus und reift spät. Die Sorte reagiert sensibel auf klimatische Extreme und benötigt lange, stabile Vegetationsperioden ohne übermäßige Hitze. Qualitativ überzeugende Ergebnisse entstehen vor allem dort, wo Höhenlage, gute Durchlüftung und deutliche Tag-Nacht-Amplituden die physiologische Reife unterstützen, ohne die Säurestruktur zu gefährden.

        Ampelographische Merkmale und weinbauliche Konsequenzen

        Die dünne Beerenschale macht Sangiovese anfällig für Fäulnis, ist jedoch gleichzeitig Grundlage seiner stilistischen Eigenschaften: moderate Farbintensität, präsente Säure und ein griffiges, bei niedrigen Erträgen feinkörniges Tannin. Klonwahl, Pflanzdichte und konsequente Ertragssteuerung sind entscheidend für die qualitative Ausprägung. Die Spannbreite reicht von einfachen, korrekt vinifizierten Weinen bis zu streng selektionierten Lagenweinen mit langfristigem Entwicklungspotenzial.

        Aromatik und Reifedynamik

        Typisch für Sangiovese sind Aromen von Kirsche, roter Pflaume und getrockneten Kräutern, häufig ergänzt durch vegetabile Anklänge wie Tomatenblatt oder eine feine Erdigkeit. Mit zunehmender Flaschenreife treten tertiäre Noten von Tabak, Leder und balsamischer Kräuterwürze in den Vordergrund. Charakteristisch ist weniger aromatische Fülle als vielmehr die strukturelle Balance zwischen Säure, Tannin und Alkohol. Überreife Stilistiken wirken rasch unpräzise und widersprechen dem sortentypischen Profil.

        Zwei Menschen stoßen im Weinberg mit Weinflaschen an und lächeln sich herzlich an.

        Über uns

        Träne der Olive